Im Kern sehr zart – HOVER und sein Downtempo-Set „100 bpm Zartcore“


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Foto: HOVER

„Eine Berliner Crew hat sich einen neuen Spielplatz gesucht und einen schönen am Rande Berlins gefunden“, erzählt HOVER. Ganz heiß in der Aufbauphase hatten sie die Idee, ihren kleinen Spaßgarten um eine Sauna zu erweitern. „Wozu neben Leuten natürlich auch Geld vonnöten ist, weshalb eine Sauna Fundraiser Party stattfand, zu der ich auf ein Downtempo-Set eingeladen wurde. Auf einer Art Baumhaus. Ziemlich wackelige Angelegenheit und schwierig zu finden das ganze, aber total lustig und gemütlich.“ Er habe sich einfach wohl gefühlt: „Ein Highlight war das Bett neben dem DJ-Booth, auf das sich hin und wieder jemand kuschelte und meiner Musik lauschte. Echt niedlich. Danke, Johannes, für die Einladung!“ Veröffentlicht hat der junge Musiker das Set unter dem Titel „100 bpm Zartcore“.

Er musste es einfach aufnehmen

„Ich nehme immer mal wieder gerne meine Gigs auf. Einerseits um mich im Nachhinein nochmal in den Vibe des Abends zu begeben, andererseits um meine eigene Musik aus kritischer Distanz hören und zu analysieren. Klar, manchmal sollen Sets an dem Ort und Zeitpunkt bleiben, an dem sie gespielt wurden. Wie zum Beispiel letztens im Sisyphos als Mama dabei war.“ Das Aufnahmegerät habe gestreikt und so blieb eine wunderschöne Erinnerung an vier Stunden Ekstase, die in ihrer Einzigartigkeit besonders intensiv war, so HOVER. „Da ich aber lange kein Downtempo mehr gespielt hatte und die Musikrichtung letztendlich auch Teil meines recht breiten Repertoires ist, musste ich das einfach recorden und hochladen.“

„Ich höre ein Lied und bin im Kopf sofort wieder an dem Ort“

Ohne jetzt allzu tief in der Downtempo-Szene drin zu stecken, habe er den Eindruck, dass es einen Pop-Downtempo gäbe, welcher viel mit orientalisch und afrikanisch anmutenden Samples arbeite und teils in eine für ihn etwas eintönige Pling-Plong-Richtung gehe. „Teilweise hört man auch dieselben gekauften Samples in verschiedenen Songs, und das finde ich nervig. Meine Intention bei der Trackauswahl war etwas wirklich Frisches zu kreieren und mich mit 100 bpm bewusst zu limitieren. Letztendlich wurde es eine Kombination aus brutalen 25 bpm runtergepitchten Nummern und Songs, die in der Set-Geschwindigkeit produziert wurden – von langsamen Deep House über Jazz, slow Disco und haste-nich-jesehn.“ Dabei sind viele Lieder, die ihn in diesem Jahr begleitet haben und mit denen er besondere Erinnerungen teilt – wie zum Beispiel der erste Song „Sowa“ von Fatoumata Diawara oder Acuds „Matjesfilet“. „Ich höre ein Lied und bin im Kopf sofort wieder an dem Ort und den Menschen, den und die ich damit assoziiere. Dieses Gefühl in Sets als Geschichte rüberzubringen packt mich bei anderen DJs am meisten und versuche ich auf meine Weise auch. Aufgrund der Geschwindigkeit, aber auch der Trackauswahl ist das Set zwar wie immer bunt und hat Überraschungsmomente, ist im Kern jedoch sehr zart. Deshalb Zartcore und deshalb das Abbild meines gut genährten Baby-Ichs.“

„Bin mal gespannt, was er dazu sagt!“

Wenn man ihn nach seinem Lieblingstrack im Set fragt, würde er sich für „Litmus Groove“ entscheiden. „Eine tolle Disco-Nummer mit Acid-Bassline vom irischen Genius Jimmy Rouge produziert“, verrät HOVER. „Den Track hat er mir lieberweise als Demo zukommen lassen, und ich habe ihn bereits etliche Male gezockt. Auf 100 bpm entfaltet er eine ganz neue Persönlichkeit – bin mal gespannt, was er dazu sagt!“ Aber auch Jholeysons „Chant De Joie“, „Crawl“ von Lee Foss im Remix von CamelPhat und Petko Turners Bearbeitung von „Ain’t No Sunshine“ spiele er aktuell oft. „Ansonsten steht eine Weihnachtstour mit Family und Friends, viel Essen, und in Stuttgart und Bad Neustadt auflegen an. 2019 geht mit acht Gigs im Januar wieder ordentlich los! Ich bin in der südlichen Hälfte Deutschlands mit Dario unterwegs und mal wieder bei Bordel des Arts und im Golden Gate zu hören.“