trndmsk Future Stars #22: Viktor Talking Machine – All About Vinyl


Viktor Talking Machine

Kurz vorm tibetanischem Hochland erstreckt sich eine kleine Lichtung voll mit schwarzem Farn, der rhythmisch im Takt der Sonne wippt. Hier finden die Einwohner des kleinen verschlafenen Küsten- dorfes die Überreste eines gewaltigen Kometenhagels. Eine zähflüssige dunkle Masse, die sie umgehend zu Brownies mit Eis und sauren Gurken verarbeiten. Die dadurch gewonnene Energie treibt riesige Maschinen an, die Buschwindröschen pflanzen und Bienen bei der Paarung helfen. Alle 1210 Jahre, wenn die Planeten in einer runden Kreisbahn stehen, kommt an diesem magischen Ort ein Kind zur Welt, das alles ändern wird.
Viktor wuchs in einer musikalischen Familie am Rande eines kleinen Bergdorfes auf. Früh entdeckte er seine Liebe zur Natur und zu analogen Klangwelten. Dadurch saugte er alle Geräusche, die die Natur und die Weiten der antarktischen Wildnis erzeugten auf und destillierte daraus seinen tiefen Sound, der ihn bis heute begleitet.

Der 22. Beitrag unserer Reihe trndmsk Future Stars steht ganz im Zeichen der guten alten Schallplatte und Sets, die einfach nicht aufhören wollen: „All About Vinyl“ vom Duo Viktor Talking Machine.

trndmsk: Sechs Stunden. Was hat Euch nur getrieben?

Viktor Talking Machine: Wahrscheinlich der Drang noch einen weiteren passenden Track anzuhängen und eine innere Stimme, die immer wieder gesagt hat, „komm, nur noch Einer“. Die Platten für 10 Stunden standen bereit, aber Soundcloud hört leider nur 6 Stunden und 45 Minuten zu. Aber ganz ehrlich, an sich sind 6 Stunden eine perfekte Zeit für uns, da wir die Zuhörer mit auf eine sehr persönliche Reise nehmen und so eine Geschichte erzählen können, die es genau in dieser Form nur ein einziges Mal gibt.

Wann und in welchem Umfeld ist das Set entstanden?

Das Set ist bei uns zu Hause in Halle entstanden, bei einem Kasten Limo und nach einem langen bunten Wochenende voller Musik und verrückter Leute. Unsere Euphorie war noch so frisch, dass wir gar nicht eher hätten aufhören können. Wir haben uns einfach treiben lassen und unsere Stimmung in diesem Set konserviert.

Worauf habt Ihr bei diesem Mix besonders viel Wert gelegt?

Uns lag am Herzen, einfach mal weg zu kommen von diesen 60 Minuten Sets. Das hat für uns immer den faden Beigeschmack eines EDM Raves, wo jeder DJ genau seine Stunde Hits abfeuert oder einer Hot Rotation im Radio. Das ist aber nicht so unsere Welt. Unsere Intention war es das Gefühl eines Abends der langsam in die Nacht übergeht einzufangen. Dabei spielte die Aktualität der Tracks für uns keine Rolle, sondern wie sie miteinander im Set zu etwas neuem zusammenwachsen.

Wie habt Ihr die ganzen Tracks ausgesucht? Oder war die Auswahl wirklich sehr spontan?

Wir haben allein einen ganzen Tag die Platten für ein mehr als10 Stunden Set rausgesucht und sortiert. Unser eigener Anspruch hat es so lange dauern lassen, da wir kein Label und Künstler doppelt haben wollten. Ob uns das jedoch wirklich so straight gelungen ist, wissen wir allerdings gar nicht ganz genau. Am Ende war es dann so, als hätten wir das gesamte Plattenregal zu einem rieseigen Haufen ausgekippt und ein musikalisches Mau Mau Spiel damit veranstaltet.

Gibt es einen absoluten Lieblingstrack im Set von Euch?

Es gibt viele Lieblingsstellen, aber den einen Track zu benennen fällt uns zu schwer. Es kommt so oft auf den Moment an oder eine Erinnerung die man damit verbindet. Und auch in welchem Moment man das Set gerade hört. Platten sind für uns wie Kinder, die wir adoptieren. Es gibt da keine Scheibe die wir besonders lieben, denn jede einzelne ist für sich etwas Einzigartiges und hat es genau deswegen in unsere Vinylsammlung geschafft.

Was gibt’s neues in Sachen Releases und Produktionen von Euch?

Wir haben gerade drei Remixe auf dem Tisch und arbeiten an zwei weiteren EPs. Ende des Jahres gibt es wieder neuen Stuff von uns. Allerdings haben wir im Laufe der Zeit auch festgestellt, dass wir keine Produktionsmaschinen sind und immer sehr lange brauchen um etwas zu kreieren, mit dem wir beide 100 Prozent zufrieden sind. Was am Ende ja nicht bedeuten muss, dass das Eine oder das Andere besser oder schlechter ist. Das ist halt unser Weg.

Wir haben jetzt August 2017. Wie sah und sieht Eure Sommersaison noch aus?

Wie es der Sommer so will, durften wir auch öfter mal draußen spielen. Besonders in Erinnerung haben wir noch das wunderschöne Feel Festival, die IPSE oder das Superfriends Open Air in der Rummelsburg Berlin. Aber auch in geliebter Clubatmosphäre sind wir auf unsere Kosten gekommen, wie z. B. im Ritter Butzke, dem Birgit&Bier oder dem Elipamanoke in Leipzig. Wir versuchen so viel wie nur möglich zu spielen und freuen uns jetzt schon auf den Herbst und schöne Clubgigs von Berlin bis München. Unser Studio bauen wir auch nochmal zum Spätsommer um, bevor es an die nächsten Projekte geht. Wenn wir es schaffen, schieben wir auch noch einen Urlaub ein und wandern ein wenig durch die tibetanischen Berge um uns wieder neue Inspiration zu holen.

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(MP3, 320 kBit/s, 6:44:30 Min., 925,1 MB)